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„Psychoedukation für Psychiatrieerfahrene“

Als originär für Angehörige gegründeter Verein initiierte der Mimose e.V. in 2017 eine dreiteilige Veranstaltungsreihe, die sich vor allen Dingen an diejenigen richteten, die selbst von psychischen und seelischen Krisen und Krankheiten betroffen sind: quasi die betroffenen Angehörigen der im Verein organisierten gesunden Angehörigen. Das hört sich komplizierter an, als es ist. Letztlich setzte Mimose e.V. hiermit ein wichtiges Zeichen: dass die Psychiatrieerfahrenen, die sich oft aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen und sich ins häusliche Umfeld zurückziehen, auch ein Recht und eine Chance auf Vernetzung und vor allen Dingen Austausch haben!

In diesem Sinne führte Frau Dr. Dipl. Psych. Schönemann-Wurmthaler in einer Auftaktveranstaltung im September 2017 ins Thema „Psychoedukation“ ein.

Der darauf folgende zweiteilige Workshop wurde von Sigrid Hess und Susanne Ackers, beide selbst krisenerfahrene und im EX-IN-Programm ausgebildete GenesungsbegleiterInnen und DozentInnen, im Oktober 2017 in Bernau durchgeführt. Jeweils von 10 bis 13 Uhr wurde ein Raum für den Austausch unter Betroffenen geschaffen. Diese Zeit stand unter dem Motto „Achtsamkeit in der Psychiatrie“. Die Rosinenübung zum achtsamen Essen spielte darin ebenso eine Rolle wie das Kommunikationsquadrat, auch „4-Ohren-Modell“ genannt, von Friedemann Schulz von Thun. Neben Impulsreferaten der beiden ModeratorInnen tauschten die 10 TeilnehmerInnen ihre eigenen Erfahrungen mit diesen Themen aus. Zum zweiten Termin kam auch Vladimir Bojic, selbst krisenerfahren, zum Moderationsteam hinzu. Er leitete eine Körperreise-Meditation an und brachte den Aspekt der Ruhe und des Ruhens im eigenen Körper in den Workshop ein. Ohne dass über Diagnosen oder Therapieformen zu sprechen, gelang es den ModeratorInnen und den TeilnehmerInnen, das eigene Expertenwissen auszutauschen und quasi von einem Ich-Wissen zu einem Wir-Wissen zu gelangen und auf diese Weise einerseits sicherer mit dem eigenen krisenhaften Erleben und andererseits mit der Stigmatisierung durch die Gesellschaft zu werden. Der Austausch diente der Gewinnung von bewußterer Selbstsicherheit mit sich und seinem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld.

Dank einer Spende der Sparkasse Barnim konnte diese Veranstaltung mit Erfolg durchgeführt werden. Die Teilnehmer wünschen sich auch für 2018 weitere Veranstaltungen zur Psychoedukation und der Verein freut sich über Spenden dazu.

 

„Entlassungsmanagement nach Krankenhausaufenthalt und Lotse in die ambulante Versorgung“

Am Mittwoch, den 09.08 lud der Mimose e.V erneut zu einem Vortrag und einer anschließenden Diskussion über das Entlassungsmanagement nach einem Krankenhausaufenthalt ein. Herr Dr. med. Sander, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Somatik und Suchtmedizin Angermünde, war Referent dieser Veranstaltung.
Zwischen dem Patienten, den Angehörigen und der Klinik sollte eine enge Verbindung bestehen. Vor nicht allzu langer Zeit, wurden Angehörige kategorisch außenvor gelassen, sie wurden weder über die Krankheit ausreichend informiert, noch in die Behandlung miteinbezogen. Auch heute noch berufen sich viele Mediziner auf die „Ärztliche Schweigepflicht“ so Dr. med Sander, diese Schweigepflicht beinhaltet jedoch nicht ein Verbot die Angehörigen über die Krankheit selbst zu informieren und sich zu allgemeinen Fragen austauschen zu dürfen.
Wenn Herr Dr. Sander den für ihn idealtypischen Fall beschreiben sollte, sähe dieser wie folgt aus:
Zu Beginn der Behandlung sollte ein Informationsaustausch auch mit den Angehörigen ermöglicht werde. Es gilt zuerst allgemeine Fragen zu klären, wie z.B 1. Wer zum System der Familie gehört und 2. Wie der psychisch Kranke sich zu Hause verhält. Weiterhin sollte auch ein Informationsaustausch im Verlauf der Behandlung stattfinden. Um festzustellen, ob Angehörige Veränderungen des Zustands merken oder was für Schwierigkeiten auftauchen und eine der vielleicht wichtigsten Fragen wie die Belastungserprobung verlief. Auch zum Ende der Behandlung sollte ein Informationsaustausch gegeben sein um zu klären, ob vielleicht noch Fragen von Seiten des Angehörigen geblieben sind und auch hier die am meisten gestellte Frage ist „Was kann und darf ich von dem erkrankten fordern?“. Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten und benötigt die Betrachtung des Einzelfalls. Jedoch verwies Herr Dr. med Sander auf das Gesetzt der „Mitwirkungspflicht“, das heißt jeder Erkrankte der Leistungen vom Staat bekommt ist verpflichten zur Mitwirkung an seiner Genesung, indem er z.B eine Therapie abschließen sollte. Eine weitere Frage die es zu klären gilt ist: „Wer übernimmt die Weiterbehandlung?“. Bei dieser Frage sollte das Krankenhaus mitwirken und dem Angehörigen nützliche Informationen liefern. Denn nach Abschluss der Behandlung bekommt der Betroffene den sogenannten Entlassungsbrief, die Idealvorstellung hier wäre es das der komplette Brief mit dem Betroffenen besprochen wird und dementsprechend sollte im Nachgang mit dem Betroffenen und  auch dem Angehörigen die Möglichkeiten wer die Weiterbehandlung übernimmt besprochen werden.
Angehörige sollten wissen, dass der Sozialpsychiatrische Dienst Beratung, Hilfevermittlung und auch Krisenintervention nicht nur für die Betroffenen selbst anbieten, sondern auch für Angehörige und auch für das soziale Umfeld.
Die Anschließende Diskussion hat noch unteranderem die Frage aufgeworfen, was denn mit Kindern der Betroffenen passiert. Herr Dr. med Sander äußerte sich dazu, dass abgefragt wird, ob es Kinder gibt und wer sich um diese kümmert. Es wäre auch eine Möglichkeit die Kinder falls gewünscht zu einem Kinder-& Jugendpsychotherapeuten zu schicken, um einem Kind die Krankheit verständlich zu machen und so die Verarbeitung der Geschehnisse zu erleichtern. Abschließend lässt sich herausstellen, dass es unglaublich wichtig ist die Angehörigen ausreichend zu informieren und einzubeziehen. Der Mimose e.V engagiert sich für diese Zwecke und freut sich über neue Mitglieder, die bereit sind den Verein und insbesondere den Vorstand zu Unterstützen.

 

„Wenn Angehörige psychische Profis sind – Profis als Angehörige von psychisch Kranken“

Am Mittwoch, den 14.Juni lud der Mimose e.V, der vor allem Angehörigen von psychisch kranken Mut machen möchte, zu einem Vortrag und einer Diskussion zum oben genannten Thema ein. Herr Prof. Dr. med. Asmus Finzen, bekannt auch als „Psychiatrie Papst“, war der Ehrengast in dieser Runde. Er selbst hat einige Bücher geschrieben, wie z.B „Schizophrenie – Die Krankheit verstehen, behandeln und bewältigen“ und möchte auf die Probleme von Angehörigen psychisch kranker aufmerksam machen. So stellte man sich die Frage ob Angehörige, die selbst als Psychologen oder Psychiater tätig sind wirklich bevorteilter sind im Umgang mit psychisch kranken Angehörigen.
Man würde annehmen die Antwort auf diese Frage lautet „Ja“, doch die Realität sieht anders aus.
Auch Menschen die hauptberuflich Psyichiater, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen oder auch andere Berufsgruppen die viel mit psychisch Kranken arbeiten stoßen auf sehr ähnliche Probleme wie es auch Angehörige tun, die keinen dieser genannten Berufe ausüben. Unser Versorgungssystem ist bei psychischen Erkrankungen zum Teil sehr problematisch gestaltet. Es ist keine Ausnahme sondern eher die Regel, dass Angehörige überhaupt nicht oder nur sehr schlecht über die psychische Krankheit des betreffenden Verwandten informiert werden. Viele behandelnde Ärzte und auch Psychologen berufen sich auf die Schweigepflicht. Jedoch möchten Angehörige keine privaten Details des Betroffenen hören, es geht viel mehr um eine Aufklärung über die Krankheit. Besonders schwierig ist es, wenn der Angehöriger ein Profi ist und sich auf diesem Gebiet auskennt. Denn gerade dann wollen die meisten psychisch Erkrankten in ihrem Zustand, dass der Angehörige so wenig wie möglich weiß. Durch die schlechte Aufklärung sind die meisten Angehörigen vom Phänomen der Schuldfrage gequält – denn schließlich muss jemand Schuld sein, so die Annahme. Dadurch kommt es zu Selbstzweifeln und zu einer Frage wie z.B ob sie ihren Beruf als Psychologen denn überhaupt weiter ausüben können, wenn nun ein Verwandter von ihnen psychisch erkrankt ist. Daraus folgend kämpfen alle Angehörigen mit der Stigmatisierung, unabhängig davon ob Profi oder nicht. Das hat wiederum zur Folge, dass Angehörige sich verstecken und das kaum jemand über die Erkrankung ihrer Verwandten weiß. Herr Prof. Dr. med. Asmus Finzen erwähnte in seinem Vortrag eine dänische Studie die belegt, dass 4 von 100 Menschen an unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen leiden. Psychische Erkrankungen sind somit viel weiter verbreitet als in der Gesellschaft zumeist vermutet. Weiterhin erwähnte Herr Prof. Dr. med. Asmus Finzen dabei, wenn man allein von den Fachleuten für Psychiatrie ausgeht, würde es sich um etwa 10000 Ärzte, 10000 Psychologen und 30000 oder mehr Menschen die Tätigkeiten in der Krankenpflege ausüben handeln. Das sind also insgesamt mehr als 50000 Menschen, von denen statistisch gesehen mindestens einer einen psychisch kranken Verwandten hat. Doch auch die meisten Angehörigen, die beruflich nichts mit psychischen Erkrankungen zu tun haben, eignen sich im Laufe der Jahre ein ungemeines Wissen über die Erkrankung und über den Umgang mit ihr an. Zu oft wird dieses Wissen nicht geteilt und geht anderen Angehörigen, die vielleicht eine sehr ähnliche Situation durchleben verloren. Es finden immer noch viel zu selten die Probleme der Angehörigen Anklang. Das zukünftige Ziel sollte es also sein, Angehörige über psychische Erkrankungen zu informieren, ihnen Mut zu machen und vor allem dazu anhalten mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen in die Öffentlichkeit zu treten und andere zu informieren. Für diesen Zweck engagiert sich auch der Verein Mimose e.V in Bernau, der sich sehr über neue Mitglieder freuen würde, die mit Lust und Freude den Vorstand tatkräftig unterstützen würden.

 

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